Häusliche Gewalt

Ob alt ob jung- ob arm ob reich- häusliche Gewalt geschieht in allen Kulturen und gesellschaftlichen Schichten.

Jeder Mensch hat ein Recht auf ein selbstbestimmtes und gewaltfreies Leben. Häusliche Gewalt hat viele Gesichter. Kennen Sie die wieder?

Formen der Gewalt

  • Körperliche Gewalt

    richtet sich gegen die körperliche Unversehrtheit des Partners/ der Partnerin oder eines Familienmitgliedes. Dazu gehören Taten wie Schlagen, Stoßen, Schütteln, Treten, Fesseln, Beißen, Würgen, Verbrennen, Angriffe mit Gegenständen sowie Waffenanwendung. Körperliche Gewalt kann zum Tod führen.

  • Sexuelle Gewalt

    bezeichnet alle sexuellen Handlungen, die gegen den Willen der Betroffenen geschehen. Dazu zählen sexuelle Belästigung, (versuchte) Vergewaltigung, sexueller Missbrauch, sowie alle weiteren Formen sexueller Bedrohung. Sexuelle Gewalt stellt einen massiven Gewaltakt sowohl gegen die körperliche als auch gegen die psychische Integrität der Betroffenen dar.

  • Seelische Gewalt

    zeigt sich in einem breiten Spektrum von Handlungsweisen, die alle dem Ziel dienen, das Selbstwertgefühl der Betroffenen zu beeinträchtigen. Dazu gehören Beleidigung und Demütigung, Verleumdung, Diskreditierung, Herabminderung, Missachtung, Abwertung, Eifersucht, Herunterspielen ausgeübter körperlicher Gewalt, Schreien, Isolation oder das Zerstören wertvoller persönlicher Dinge.

  • Soziale Gewalt

    grenzt Betroffene von ihrer jeweiligen Umwelt ab, indem der Kontakt zu Verwandten, Freunden und Bekannten, sowie Freizeitaktivitäten unterbunden oder verboten werden.

  • Finanzielle Gewalt

    führt zur finanziellen Abhängigkeit der Betroffenen. Der Zugang zum Geld wird verweigert bzw. Geld wird zugeteilt oder auch als Mittel zur Belohnung und Bestrafung eingesetzt.

Gewaltschutzgesetz (§201a LVwG)

Das Gewaltschutzgesetz bezweckt den Schutz einer Person vor allen Formen von Gewalt im privaten häuslichen Umfeld. Es beinhaltet auch, dass die Person, von der eine Gewaltgefährdung ausgeht, polizeilich der Wohnung verwiesen werden kann, während das Opfer der Häuslichen Gewalt bleibt und nicht Zuflucht zum Beispiel in einem Frauenhaus suchen muss.

Sollte es zu Gewalthandlungen Ihnen gegenüber gekommen sein, sollte zeitnah zu dem Vorfall Ihrerseits oder mit Hilfe eines Anwalts beim Amtsgericht Ihres Wohnortes eine Schutzanordnung beantragt werden.

Nach Ihrer ausführlichen Schilderung der erfahrenen Gewalt kann das Gericht anordnen, dass der Täter oder die Täterin es unterlässt,

  • die Wohnung der verletzten Person zu betreten
  • sich in einem bestimmten Umkreis der Wohnung der verletzten Person aufzuhalten
  • zu bestimmende andere Orte aufzusuchen, an denen sich die verletzte Person regelmäßig aufhält
  • Verbindung zur verletzten Person aufzunehmen (Telefon, Handy, SMS)
  • Zusammentreffen mit der verletzten Person herbeizuführen

Schutzanordnungen und Wohnungszuweisungen nach dem Gewaltschutzgesetz sind zeitlich befristet, gelten also nur für eine bestimmte Zeit.

Wir empfehlen Ihnen, vor diesem Schritt sich ausführlich bei einer Beratungsstelle in Ihrer Nähe persönlich zu informieren, da hier nur eine verkürzte Darstellung des Gewaltschutzgesetzes möglich ist.

Polizeiliche Wegweisung (§201a Abs.1 LVwG)

Nach einer ausgesprochenen Wegweisung informiert die Polizei die zuständige Frauenberatungsstelle in ihrer Nähe. Dies ist in Lübeck unser Frauenhaus Hartengrube.

Eine Mitarbeiterin wird umgehend mit Ihnen Kontakt aufnehmen und Beratung anbieten, auch bezüglich des Gewaltschutzgesetzes.

Aus diesem Erstgespräch können sich weitere Termine ergeben- Wenn Sie als Geschädigte(r) das Gespräch mit dem/ der Gewaltausübenden wünschen, bieten wir diese Paargespräche im Hause an.